Jugendberufshilfe

 

Ausbildung und Wohnen

für eine zweite Chance

 

Unser Angebot Ausbildung und Wohnen bietet eine Kombination unseres Jugendberufshilfeprojekts mit betreutem Wohnen. Es ermöglicht die Berufsvorbereitung, Ausbildung zum/r Maler/in & Lackierer/in und parallel dazu das Leben in einer Wohngemeinschaft in Berlin-Köpenick. Der 20-Jährige Erik ist im zweiten Lehrjahr und als erster von drei Bewohnern in die Altbauwohnung am Müggelsee eingezogen. Unterstützt wird er von Betreuerin Viola Mayer, die mit ihm sein 25 Quadratmeter großes Zimmer mit Balkon eingerichtet hat.

 

Viola, wie sieht deine Unterstützung konkret aus?

Ich arbeite bei Neues Wohnen im Kiez in Köpenick mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen und bin für Erik zusätzlich fünf Stunden in der Woche als Ansprechpartnerin vor Ort. Wir haben zusammen Möbel für Eriks Zimmer eingekauft und wir schauen, dass es mit den Finanzen ein bisschen besser wird. Sich selbstständig um alltägliche Dinge kümmern kann er schon sehr gut.

 

Erik, dann bist du ja die meiste Zeit auf dich alleine gestellt. Wie gefällt es dir in Köpenick?

Ich war schon vorher die meiste Zeit allein, weil mein Vater sich nie um mich gekümmert hat. Ich musste mich selbst verpflegen. Das bin ich gewohnt. Es ist schön ruhig da. Die Menschen sind viel freundlicher als hier in Berlin. Ich bin jetzt viel mit meinen Kollegen aus der Werkstatt und den Ausbildern zusammen. Das läuft gut. Ich hab schon Lust darauf, Maler und Lackierer zu werde, aber ich will das nicht mein ganzes Leben machen. Ich werde wohl fünf Jahre als Maler arbeiten und dann gehe ich zur Bundeswehr.

 

Warum zur Bundeswehr?

Weil ich das interessant finde. Die ganze Technik, die Ausrüstung und sich dafür fit zu machen, das finde ich cool. Als Maler werde ich kein Held, bei der Bundeswehr schon. Ich möchte einen Beruf mit Sinn, etwas Außergewöhnliches, wo ich mir auf die Schulter klopfen kann.

 

Die Jobchancen als Maler sind doch auch ganz gut, oder?

Aber nur, wenn man einen Führerschein hat. Ich will bald einen machen und spare darauf. Ich habe schon mit Viola einen Plan gemacht. Und meinen Schulabschluss mache ich auch auf jeden Fall zeitgleich mit dem Ende der Lehre nach.

 

Ein Plan hat dir vorher gefehlt ...

Ich bin aus der Schule raus und hatte nichts. Und dann habe ich halt andere Sachen gemacht, um an Geld zu kommen. Das passiert, wenn man nirgendwo eine Chance kriegt. Da, wo es kein Brot gibt, gibt es auch keine Gesetze. Aber jetzt nicht mehr, jetzt verdiene ich hier mein Geld. Neues Wohnen im Kiez ist echt Bombe. Hier gibt es ein Geben und Nehmen, es wird nicht nur von mir erwartet, dass ich den ersten Schritt mache.

 

Woran arbeitest du gerade?

Ich bin im zweiten Lehrjahr und bereite mich auf die Zwischenprüfung im September 2018 vor. Ich habe keine Manschetten vor der Prüfung, weil ich von allen gelobt werde, dass ich ein guter Maler sei. Auch im Praktikum lassen sie mich nie die Drecksarbeit machen. Das ist ganz entspannt.

 

Was machst du in deiner freien Zeit?

Wenn ich zu Hause bin, dann chille ich, esse was, zocke mit der Playstation, höre Musik. Das ist für mich Entspannung genug.

 

Viola: Erik hat mir erzählt, wie dankbar er dafür ist, dass er dort in Friedrichshagen wohnt, weil er die Natur so gerne mag und immer, wenn er sich entspannen will, an den Müggelsee geht, um runterzukommen. Er ist dankbar, dass dort Menschen wohnen, die ihn nicht aggressiv machen und noch puschen wie in Lichtenberg. Das finde ich bemerkenswert, dass er so eine Einstellung dazu hat. So erwachsen zu sein, dass er weiß: »Das tut mir gut«.

 

Was erwartest Du von Deinen Mitbewohnern?
Dass sie ruhig sind, nicht so hyperaktiv. Saubermachen müssen sie auf jeden Fall und sie sollten ihre Kumpels nicht mitbringen, ein oder zwei ist ja okay, aber nicht eine ganze Sippe. Sie sollten sich an Regeln halten und nicht voll am Rad drehen. Die ganzen Gangster sind öde, die Leute, die denken, dass dieser Gangsterscheiß das Leben ist. Das ist es aber nicht. Das habe ich leider erst spät gemerkt.

 

Viola: Besser jetzt als nie, mein Lieber.