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Familienzentrum FLIBB: Nachbarschaft aktiv leben

Ob Yogakurs, Nähcafé, Elternfrühstück oder Krabbeltreff: Seit 2013 ermöglicht die Familienbegegnungsstätte FLIBB Familien Kontakte zu knüpfen und Nachbarschaft aktiv zu leben. Das Ziel von Leiterin Susanne Lüders und ihrem Team ist es, in Alt-Lichtenberg ansässigen Familien, besonders auch Alleinerziehenden und Familien mit Migrationshintergrund die Möglichkeit zu geben, ihre elterliche Kompetenz und Eigenverantwortung zu stärken und tragfähige Netzwerke in ihrem direkten Lebensumfeld zu entwickeln. Das FLIBB kooperiert mit lokalen Trägern wie existere e.V. und der Albatros gGmbH.

 

Frau Lüders, wie sind Sie vor drei Jahren in das Projekt gestartet?

Die Idee zur Familienbegegnungsstätte entstand aus einem Netzwerk von Jugendamtsmitarbeitern, Vertretern des Bezirks und freien Trägern, die feststellten, dass es in Alt Lichtenberg kein ähnliches Projekt gab. Ende 2012 hat NWiK den Leistungsvertrag bekommen, um eine Familienbegegnungsstätte in Kooperation mit existere e.V. und der Albatros gGmbH aufzubauen, die spätestens Ende März 2013 eröffnet werden sollte.

Der Umstand, dass bei NWiK zu diesem Zeitpunkt eine Einrichtung geschlossen wurde, bescherte uns die Kücheneinrichtung, zwei große Esstische und viele Stühle. Toll war auch, dass die Azubis aus unserem Mahlerausbildungsprojekt mit ihren Meistern zusammen die Räume renoviert haben. Ich habe dann noch Geld aus dem Kiezfonds bekommen, davon haben wir den Kaufmannsladen und Spielmaterial besorgen können. Mit Geldern aus der Tagesspiegel-Spendenaktion habe ich das Material für den Fußboden gekauft, den die damaligen Azubis auch verlegt haben. Nun hat der Boden eine Korkdämmung, damit die Kleinen in der Krabbelgruppe darauf sitzen können.

 

Welche Rolle spielt der Kontakt mit lokalen Trägern?

Wir haben von Anfang an mit anderen Trägern zusammen gearbeitet und den Netzwerkgedanken weiter fortgesetzt. Wir haben z.B. einer Jugendeinrichtung der Caritas, die auf der Südseite der Frankfurter Allee ihre Räume verloren hatten, Unterschlupf geboten. Dadurch haben sich Synergieeffekte gebildet. Unsere Partner konnten ihre Arbeit fortsetzen und wir waren in der Lage, obwohl wir nur 18000 Euro Jahresbudget hatten, die Räume mit Angeboten zu füllen.

 

Wie sind Sie inzwischen finanziell und personell ausgestattet?

In diesem Jahr sind wir das erste Mal wie alle anderen Familienbegegnungsstätten finanziell mit 45000 Euro ausgestattet. Damit müssen wir 30 Angebotsstunden gewährleisten. Ich bin hier mit 22 Stunden vor Ort. Unterstützung bekomme ich von einer 400 Eurokraft, einer  Bufdi und Übungsleitern, die einen Nähkurs und ein Elterncafé anbieten. Aber wir arbeiten auch mit Ehrenamtlichen, ambulant tätigen Jugendhilfeträgern und Freiberuflern zusammen, denen wir unsere Räume für ihre Angebote zur Verfügung stellen.

 

Wie entstand das Kochprojekt mit geflüchteten Menschen aus der 300 Meter entfernten Notunterkunft in der Ruschestraße?

Letztes Jahr haben wir viele Angebote für die Familien aus der Notunterkunft in der Ruschestraße organisiert. Die Familien haben dort nur ein Zimmer zu Verfügung, in denen sie nicht einmal einen Wasserkocher benutzen dürfen. Dadurch können sie nicht so zusammen sein und gemeinsam essen, wie sie es gewohnt sind. Mitte letzten Jahres hatte ich die Idee für die wöchentliche Kochaktion. Das Geld für die Lebensmittel spendet die Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE. Montags kommen Frauen in Begleitung einer Mitarbeiterin aus der Unterkunft, um das Geld abzuholen und einkaufen zu gehen. Dienstag früh fangen sie dann an hier zu kochen, zu backen und zu werkeln. Die ganz Kleinen spielen und wenn die größeren aus der Schule kommen, wird gemeinsam am großen Tisch gegessen. Als im letzten Sommer auf dem Gelände der Ruschestraße die Citizen Art Days stattgefunden haben, haben die Familien auch für Besucher gekocht und ein Büffet hergerichtet, was für alle eine tolle Erfahrung war. Das Kochprojekt ist bis Ende 2017 finanziert. Die Zukunft der Notunterkunft ist nicht ganz klar, es steht im Raum, dass sie gegen Ende des Jahres aufgelöst werden soll und die Menschen anderweitig untergebracht werden. Wir werden sehen, wie es dann weitergeht.

 

Sie werden dabei durch eine junge Frau aus Tschetschenien unterstützt. Wie läuft die Zusammenarbeit ab?

Die Zusammenarbeit mit Asmirat findet im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes statt. Das ist das einzige, was Flüchtlinge mit diesem geringen Status machen können. Sie arbeitet hier 21 Stunden in der Woche und die Zusammenarbeit mit ihr macht sehr viel Freude. Asmirat kennen wir seit dreieinhalb Jahren als ihr Kind drei Monate alt war. Sie war hochschwanger sechs Monate vorher in Deutschland angekommen. Im FLIBB hat sie ihren ersten Deutschunterricht bekommen. Wir haben zwei tolle pensionierte Lehrerinnen, die einmal in der Woche Deutschunterricht mit Kinderbetreuung anbieten. Asmirat hat sich mit einer von ihnen angefreundet und weiter deutsch gelernt, ihr Sohn geht inzwischen in die Kita. Da sie durch traumatische Erlebnisse belastet ist, müssen wir sehen, dass die Arbeit sie nicht überfordert. Aber es ist weniger die Arbeit hier, die ihr Spaß macht und eher Kraft gibt, die anstrengend ist, sondern die Konflikte mit Behörden, wie dem Landesamt für Gesundheit und Soziales oder der Ausländerbehörde. In Tschetschenien war sie als Geschäftsfrau tätig, hatte ihre eigene Boutique. Ihr Wunsch ist, dass sie nach den 18 Monaten bei uns eine Tätigkeit im Handel findet. Wir hoffen sehr, dass sie dann einen Status hat, der das möglich macht.

 

Ist die weitere Finanzierung des FLIBB gesichert?

Wir haben einen Leistungsvertrag mit dem Jugendamt Lichtenberg mit einer Laufzeit von zwei Jahren. Im Herbst schreiben wir wieder ein Konzept und hoffen, dass es weitergeht. Im Moment gehen wir optimistisch davon aus, dass wir Ende des Jahres einen neuen Leistungsvertrag für die nächsten zwei Jahre bekommen werden.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Mehr Informationen über die Angebote der Familienbegenungsstätte